Erste Bartgeier Brut im Kanton St. Gallen
Fünfzehn Jahre nach der ersten Auswilderung im St. Gallischen Calfeisental brütet der Bartgeier nun auch in diesem Kanton wieder.
Der lange Weg zum ersten St. Galler Bartgeiernachwuchs
Von 2010 bis 2014 hat die Stiftung Pro Bartgeier insgesamt zwölf junge Bartgeier im St. Gallischen Calfeisental ausgewildert. Bereits im letzten Auswilderungsjahr gab es dann Anzeichen für eine erste Paarbildung: Es schien, dass sich Bartgeier Sardona mit Rimani, einem wildgeschlüpften Weibchen, verpaaren wollte. Doch Rimani, italienisch für "bleibe", wollte nicht in der Schweiz bleiben und zog bald weiter. Heute lebt dieser Geier in den französischen Südalpen.
Sardona hingegen blieb in der Region. Und 2017 kehrte dann Noel-Leya ins Tal zurück, den wir im Jahr 2014 ausgewildert hatten. Er gesellte sich zu Sardona und die beiden Bartgeier blieben zusammen bis Sardona im Jahr 2023 traurigerweise starb. Allerdings gab es nie Nachwuchs von den beiden. Was kein Wunder war, denn beide waren ja Männchen und ein Weibchen stiess in der Zeit nie zum Paar dazu.
Zu unserer Freude hatte sich Noel-Leya jedoch bereits im Frühjahr 2024 wieder mit einem anderen Bartgeier verpaart. Später im Herbst wurde er dann dabei beobachtet, wie er Nistmaterial transportierte (s. Bild). Damit stiegen auch unsere Hoffnungen wieder, dass es bald den ersten St. Galler Bartgeiernachwuchs geben könnte.
Wir wurden nicht enttäuscht! Im Frühjahr 2025 konnten wir zusammen mit der lokalen Wildhut vom Kanton St. Gallen bestätigen, dass Noel-Leya mit einem noch unbekannten Weibchen ein Jungtier grosszieht. Die Aufzucht war erfolgreich und Ende Juli ist der Junggeier schliesslich ausgeflogen. Mit diesem schönen Erfolg ist der Bartgeier nun auch im Kanton St. Gallen als Brutvogel wieder zurück.
Rücksicht nehmen und Bartgeierbruten nicht stören
Leider werden Störungen am Brutplatz von Bartgeiern immer mehr zu einem Problem. Wenn sich Helikopter und Drohnen, aber auch Wildtierfotograf:innen den Horsten zu stark nähern, kann dies dazu führen, dass die Bartgeier ihre Brut abbrechen. Dies ist mit ein Grund, warum wir die Brutplätze der Bartgeier zum Schutz der Vögel nicht bekannt geben.